Rezension

Anne Enright – Rosaleens Fest


Kurzbeschreibung
Rosaleen ist eine Frau, die nichts tut und von den anderen alles erwartet. Sie ist Mitte siebzig, die vier Kinder sind schon lange aus dem Haus. Die Brüder Dan und Emmett sind vor der Enge der irischen Heimat in die Ferne geflohen; das Nesthäkchen Hanna wollte auf den Theaterbühnen der Welt reüssieren, spricht aber nun dem Alkohol zu, und Constance, die Älteste, hat sich selbst verloren. Doch abgenabelt hat sich keines der Kinder. Noch immer versucht jedes auf seine Weise, es dieser besten aller Mütter recht zu machen. Und scheitert.
Da kommt die Einladung zu einem letzten Weihnachtsfest in Ardeevin. Rosaleen möchte das Haus, in dem die Kinder groß geworden sind, das voller Erinnerungen an glückliche Momente und Verletzungen steckt, verkaufen. Die Geschwister reisen mit diffuser Hoffnung auf Versöhnung an – und doch endet es, wie noch jedes Weihnachten geendet hat.
~ Quelle

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Meine Meinung
Als ich „Rosaleens Fest“ zum ersten Mal in den Händen halten durfte, hatte ich ehrlich gesagt keinerlei Erwartungen an das Buch und konnte die Geschichte demnach ganz ruhig angehen. Am Ende habe ich eine interessante Familiengeschichte erhalten, die mich von der ersten Seite an packen konnte.

Wer hier einen leichten Roman für zwischendurch erwartet, der wird enttäuscht sein, denn hinter „Rosaleens Fest“ versteckt sich eine schwere und bewegende Familiengeschichte, die mich berühren und zum Nachdenken anregen konnte. So schwer die Thematik auch sein mag, so locker ist doch der Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat. Hier bekommen alle Figuren die nötige Zeit sich zu entwickeln und werden von der Autorin gut ausgearbeitet. Gleichzeitig sind die Dialoge ebenfalls sehr gelungen und wirken weder hölzern, noch zu durchdacht.

Die Geschichte spielt sich in zwei Jahrzehnten ab: Einmal in den frühen achtziger Jahren und einmal im Jahr 2005, in dem Jahr, in dem die inzwischen 76-jährige Rosaleen ihre Kinder zum Weihnachtsfest einlädt und in den Einladungskarten gleichzeitig andeutet, dass sie ihr Haus verkaufen möchte. In den achtziger Jahren lernt man dagegen nach und nach Rosaleens Kinder kennen, wie z.B. Hannah, die das jüngste Kind ist. Dabei wird auch bestens geschildert, dass Rosaleen ihre Kinder streng erzogen hat und sie sich wünscht, dass sie den Lebensweg gehen, die sie für ihre Kinder ausgesucht hat, vergisst dabei allerdings immer wieder, auch auf die Wünsche ihrer Kinder einzugehen. Stattdessen versucht sie sich weiterhin in das Leben ihrer mittlerweile erwachsenen Kinder einzumischen und deren Lebensweg weiterhin zu bestimmen. So ist es kein Wunder, dass sämtliche Figuren oftmals leiden, aber nie wirklich ehrlich miteinander sind, um die jeweils anderen nicht zu enttäuschen.

Hier wird auf sehr eindrucksvolle Art und Weise beschrieben, wie schwer ein Familienleben zerstört sein kann, wenn man den anderen Mitglieder nicht die nötige Freiheit gibt. Rosaleen liebt ihre Kinder, unterdrückt sie allerdings ständig, sodass ihre Kinder auch noch im Erwachsenenalter darunter leiden und sich stellenweise fast schon gar nicht trauen, andere Entscheidungen zu treffen, die nicht von ihrer Mutter vorherbestimmt sind. Gleichzeitig wird hier auch aufgezeigt, wie tief eine Familie auch mittlerweile verwurzelt sein kann und was eine Art Hassliebe in sämtlichen Menschen hervorbringt. Dabei driftet die Autorin allerdings nie in kitschige Phasen ab, sondern beschreibt sämtliche Ereignisse tiefgründig und fast schon poetisch.

Das Cover ist hübsch anzusehen, passt aber meiner Meinung nach nicht wirklich zur Geschichte, was mich allerdings nur wenig gestört hat. Auch der Titel selbst wirkt ein wenig irreführend, denn das angedeutete Fest ist zwar vorhanden, ist aber eher nur eine Sache nebenbei, die die Familiengeschichte nur noch weiter vertieft. Die Kurzbeschreibung ist dagegen gut ausgearbeitet und bringt die Geschichte gut auf den Punkt, ohne dabei allerdings zu viel zu verraten.

Insgesamt ist „Rosaleens Fest“ eine interessante Familiengeschichte, die mich berühren und zum Nachdenken anregen konnte. Dazu sind die Figuren so gut ausgearbeitet, dass ich mich nahezu in jede von ihnen hineinversetzen konnte. „Rosaleens Fest“ wird somit sicherlich nicht mein letztes Buch von Anne Enright gewesen sein.

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2 Kommentare zu „Anne Enright – Rosaleens Fest

Meinung? Immer her damit. :)

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