Rezension

Gail Giles – Tote Mädchen schreiben keine Briefe

Kurzbeschreibung
Jazz ist tot. Die Ältere, die Schöne, die Bevorzugte. Während die Eltern trauern, spürt ihre jüngere Schwester Sunny nur eins: Erleichterung! Endlich ist sie frei. Dann der Brief. In Jazz‘ Handschrift. Darin kündigt Jazz ihre Rückkehr an. Die Rückkehr in den Schoß der Familie. Und die junge Frau, die auftaucht, nimmt die gesamte Familie in Beschlag, so wie Jazz früher. Sie sieht auch aus wie Jazz, spricht wie sie, kennt alle Familiengeheimnisse. Trotzdem zweifelt Sunny – und begibt sich auf eine gefährliche Suche nach der Wahrheit… ~ Quelle

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Meine Meinung
Gail Giles ist mir bereits durch ihr Buch „Der erste Tod der Cass McBride“ mehr als positiv aufgefallen, von daher stand für mich schnell fest, dass ich irgendwann ein weiteres Buch von der Autorin lesen möchte. Nun war es endlich an der Zeit und ich habe mich für „Tote Mädchen schreiben keine Briefe“ entschieden, was ich nicht bereut habe. Ich muss zwar zugeben, dass ich mir von dem Buch einiges mehr versprochen habe, aber dennoch bin ich mit dem Buch durchaus zufrieden, da mich die Autorin wieder einmal mit ihrem Schreibstil begeistern konnte.

Die Geschichte liest sich schnell, leicht und kann mit gut ausgearbeiteten Dialogen punkten. Gail Giles schafft es außerdem, die Geschichte so spannend und dennoch recht einfach zu gestalten, sodass bereits Leser ab 12 Jahren mit der Thematik gut umgehen dürften, zumal dieses Buch zwar mehr oder weniger ein Thriller ist, aber kein Blut oder sonstige Gewalt benötigt. Die Figuren werden liebevoll beschrieben und die Autorin zeigt gut auf, was in der Familie alles nicht stimmt, sodass man diese nicht nur gut kennenlernt sondern auch so manches Verhalten nachvollziehen kann. Stellenweise waren mir diese zwar recht oberflächlich, aber dennoch habe ich ein genaues Bild über sämtliche Figuren erhalten.

Die Familienverhältnisse sind alles andere als schön und somit wundert es nicht, dass sich alle Mitglieder untereinander entfremdet haben und nur noch selten miteinander sprechen. Sunny ist zwar erst 14 Jahre alt, wirkt aber von allen Figuren am reifsten und muss sich um ihre Mutter kümmern, die an Depressionen leidet und sich weder um den Sunny, noch um den Haushalt kümmert. Sunnys Vater ist dagegen schon lange ausgezogen, da er die Stimmung im Haus und die Depressionen nicht mehr ertragen kann. Stattdessen flüchtet er sich in Alkohol und wirkt nur selten nüchtern. Während die Erwachsenen in Selbstmitleid versinken und sich nicht mehr um ihre Tochter kümmern, lernt Sunny schnell, was es heißt, wenn man für andere Menschen Verantwortung übernehmen muss und meistert diese Aufgabe mehr als gut. Dabei hat sie sich auch ein dickes Fell angeschafft, sodass sie oftmals unnahbar, aber dennoch sympathisch erschien. Sie ist sicherlich nicht das nette Mädchen von nebenan, welches bei allen beliebt ist, aber dennoch ist sie auf ihre ganz eigene Art und Weise durchaus liebenswert und ich habe ihr immer nur das Beste gewünscht. Der Tod ihrer Schwester war für die gesamte Familie ein Schock, für Sunny allerdings auch eine Erleichterung, da sie immer im Schatten ihrer schönen und beliebten Schwester stand. Von daher war es für sie vielmehr ein Schock, als sie einen Brief von ihrer Schwester Jazz fand.

Die Auflösung rund um Jazz, ihrer Mitbewohnerin und den Umständen ihres Todes fand ich sehr interessant und zum Großteil auch spannend, mein Problem war jedoch, dass dieses Buch mit einem Thriller nur sehr wenig gemeinsam hat. Dieses Buch wurde als ‚unblutiger Psychothriller‘ beworben, was es nur leider nicht ist. Sicherlich, es sind stellenweise Thriller-Elemente und ein Spannungsbogen vorhanden, allerdings reicht dies für mich nicht aus, um dieses Buch tatsächlich diese Bezeichnung zu verleihen.

So gut ich die Auflösung an sich auch fand, umso enttäuschender fand ich das Ende. Jazz verschwand zu schnell wieder von der Bildfläche, obwohl ich am liebsten noch viel mehr über sie und ihre Vergangenheit erfahren hätte, denn ausgerechnet da, wo das Buch am interessantesten war, wurde es viel zu schnell von der Autorin beendet, sodass für mich noch einige offene Fragen im Raum stehen. Ob diese jemals in Form von einer Fortsetzung beantwortet werden, wage ich momentan zu bezweifeln.

Das Cover ist dagegen durchaus gelungen und mit seinem Schutzumschlag ein echter Hingucker. Die Kurzbeschreibung hat mir dagegen etwas zu viel verraten, sodass ich nur noch selten überrascht werden konnte. Es wäre besser gewesen, wenn man besonders die letzten beiden Sätze komplett aus der Beschreibung genommen hätte.

Insgesamt konnte mich „Tote Mädchen schreiben keine Briefe“ mit seinen vielen Ideen zum Großteil überzeugen. Das Ende ist zwar alles andere als rund, aber dennoch spannend, sodass ich wieder einmal von Gail Giles‘ Arbeit mehr als angetan bin. Hoffentlich wird es noch viele weitere Bücher von der Autorin geben.

Ein Kommentar zu „Gail Giles – Tote Mädchen schreiben keine Briefe

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