Rezension

Patrycja Spychalski – Ich würde dich so gerne küssen

Kurzbeschreibung
In der Nacht zu ihrem 17. Geburtstag lernt die eigenwillige Frieda jemanden kennen, den sie einfach nicht vergessen kann: Jeffer, einen gut aussehenden, rebellischen Jungen und – wenn sie den warnenden Stimmen glauben soll – Herzensbrecher. Als ihre Eltern verreisen, schlägt Frieda all die wohlmeinenden, vernünftigen Ratschläge in den Wind und zieht kurzerhand bei Jeffer ein. Gemeinsam feiern sie, hören Musik, reden bis tief in die Nacht – nicht mehr. Beide spüren, dass sie etwas wirklich Besonderes verbindet, doch genau das macht ihnen Angst, zumal Frieda nicht versteht, was dieser ungewöhnliche Junge an ihr findet. Schließlich ist es genau ein Kuss, der alles verändert… ~ Quelle

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Meine Meinung
Da ich bereits einige positive Rezensionen zu dem Buch gelesen habe und dieses schon länger auf meiner Wunschliste stand, habe ich die Chance ergriffen und mir das Buch in der OnLeihe meiner Stadtbücherei ausgeliehen.

Aus der anfänglichen Freude entstand allerdings schon recht schnell pure Enttäuschung, denn leider strotzt das Buch nur vor lauter unsympathischen Charakteren und einer Handlung, bei der ich mehrfach den Kopf schütteln musste.

Der Schreibstil an sich ist ganz nett, das Buch liest sich einfach und schnell und es kam trotz der Handlung kaum Langeweile auf. Allerdings sind mir die vielen Wiederholungen sehr negativ aufgefallen. Auf nahezu jeder zweiten bis dritten Seite wird erwähnt, dass sich die Protagonistin eine Zigarette ansteckt oder mit anderen Kette raucht. Ob dies für ihre 17 Jahre in einem Jugendbuch wirklich so vorbildlich ist, sei mal dahingestellt.

Frieda ist ein Mädchen, das ich bis zur letzten Seite so gut wie gar nicht kennengelernt habe. Man erfährt zwar ihren Wunsch, endlich schön zu sein, aber das war es auch. Sie wird nur sehr oberflächlich thematisiert und man lernt eher Sachen über sie kennen, die nicht wirklich auf Dauer relevant sind. So erfährt man, dass sie gerne raucht, Musik hört und ihre Eltern liebt, aber auch froh ist, wenn sie mal weg sind. Über ihre beste Freundin weiß man genauso wenig. Sie geht auf so ziemlich jede Party, die es in und um Berlin gibt und schleppt haufenweise Männer ab. Beide sind unglaublich oberflächlich und naiv, sodass es mir nicht gelungen ist, eine von ihnen ins Herz zu schließen.

Gleiches gilt für Jeffer, den man ebenfalls so gut wie gar nicht kennen lernen durfte. Er liebt die Musik, seine Freiheit, spielt mit Menschen und mag sich auf nichts und niemanden festlegen. Er sieht Frieda vom ersten Moment als seine Seelenverwandte an, ohne etwas über sie zu wissen. Er hat haufenweise Groupies und Menschen, die ihn mögen, allerdings weiß er diese überhaupt nicht zu schätzen, sodass diese nie wissen, woran sie bei ihm sind. Da gibt es zum Beispiel Kiki, die seine Mutter sein könnte. Sie unglaublich wehleidig und naiv und lebt zudem in ihrer eigenen Welt, gleichzeitig ist sie aber auch in Jeffer verliebt, ohne den eigentlichen Grund dafür zu wissen.

Der Verlauf der Handlung ist stellenweise sehr suspekt. Frieda übernachtet einfach so bei Jeffer, ohne ihn zu kennen und zieht wenig später einfach so für zwei Wochen bei ihm ein, während ihre Eltern die zweiten Flitterwochen genießen. In der Zeit wohnt einfach ihre beste Freundin in der Wohnung ihrer Eltern und es ist allen Beteiligten egal, was dort überhaupt veranstaltet wird. Dazu schwänzt Frieda für glatte drei Wochen die Schule und verbringt den Tag mit Parties, Zigaretten und Alkohol. Für viele Jugendliche ist das mit Sicherheit einmal verlockend, aber ist dies wirklich authentisch, wenn Frieda zuvor ein recht normales und (laut ihrer Aussage) recht langweiliges Mädchen war?! Meiner Meinung nach nicht, erst recht nicht, als sie immer mehr zugibt, dass sie Jeffer eigentlich gar nicht kennt und ihn als unauthentisch ansieht. Dazu reagieren ihre Eltern unglaublich cool, als sie erfahren, was Frieda in ihrer Abwesenheit alles angestellt hat. Ein bisschen mehr Erziehung und der Hinweis, dass man nicht alles darf, hätte ich als Botschaft sehr nett gefunden.

Das Ende hat mir jedoch gefallen, da es recht untypisch für den Verlauf war. Es war überraschend, hat mich halbwegs berührt und so habe ich trotz allen Kritikpunkten mit den meisten Charakteren Frieden geschlossen. Auch wenn das Buch mich nicht überzeugen konnte, hat es mich nach dem Lesen dennoch für eine gewisse Zeit beschäftigt, denn ich musste lange über das Ende nachdenken und habe mich gefragt, ob man wirklich damit zufrieden sein kann, da es ausnahmsweise mal kein typisches „Mädchen findet Junge“-Ende war. – Zumindest nicht in der Art und Weise, wie man es aus anderen Jugendbüchern gewohnt ist.

Die Covergestaltung gefällt mir gut, passt aber nicht so wirklich zum Buch. Zwar gibt es die dargestellte Szene tatsächlich, allerdings strahlt diese eine gewisse Romantik aus, die man in diesem Buch nicht vorfinden kann. Von daher hätte ich mir eine andere Szene gewünscht, die mehr zu Jeffer und Frieda gepasst hätte. Die Kurzbeschreibung ist auch ein Kritikpunkt, da sich diese nicht unbedingt bewahrheitet, vor allem, was den letzten Satz angeht. Dort steht, dass ein Kuss alles verändert, was aber sehr irreführend ist, da sich (Achtung Spoiler!) im Prinzip rein gar nichts ändert.

Insgesamt konnte mich „Ich würde dich so gern küssen“ leider nicht überzeugen. Meine Erwartungen an das Buch waren eindeutig zu hoch und die Charaktere waren alles andere als sympathisch. Empfehlen kann ich das Buch an alle Leser, die Rock’n’Roll und Berlin mögen und nicht unbedingt auf eine Liebesgeschichte eingestellt sind.

2 Kommentare zu „Patrycja Spychalski – Ich würde dich so gerne küssen

  1. Ohhh gut zu lesen, mit dem Buch hätte ich auch geliebäugelt, jetzt aber definitiv nicht mehr. Danke für die ehrlichen Worte!

  2. Hey Brina,
    schade, dass es dir nicht gefallen hat. Für mich war das Buch ein Highlight. Ich mochte Jeffer und Frieda total gerne, weil sie so „echt“ waren. Ich konnte richtig mitfiebern, weil mir die Ecken und Kanten der Protas so gut gefielen. Auch das Ende fand ich toll – wie aus dem Leben und nicht typisch „alles gut“.
    Viele Grüße an dich,
    Damaris

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