Rezension

Sabrina Tophofen – So lange bin ich vogelfrei: Mein Leben als Straßenkind

Kurzbeschreibung
Mit elf Jahren bricht Sabrina aus dem Kinderheim aus. Sie landet in Köln auf der Domplatte, wo sie zum ersten Mal Geborgenheit und Schutz erfährt, aber auch auf Gewalt und Aggression, Drogenkonsum und Missbrauch der Obdachlosen trifft. Auf einzigartige Weise dokumentiert Sabrina ihren täglichen Kampf ums Überleben – für das Recht auf Selbstbestimmtheit und Akzeptanz. ~ Quelle

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Meine Meinung
Drogen betäuben mein wahres Gesicht und ich sehe das Ende nicht.

Im Alter von 10 Jahren fasst Claudine allen Mut zusammen und zeigt ihren Vater bei der Polizei an. Von da an lebt sie in einem Heim, doch auch da wird sie nicht glücklich, denn sie wird von ihren Mitbewohnerinnen tyrannisiert. Für sie steht fest: „Ich muss hier raus“.
Ihre einzige Freundin, Katrin, hilft ihr beim Weglaufen und gibt ihr den Tipp, nach Köln auf die Domplatte zu gehen. Dort soll sie eine gewisse Iris Lerke suchen, die ihr helfen wird.

In Köln angekommen lernt sie Tim, einen Breakdancer, kennen, der sie zu einem Sozialarbeiter bringt. Dort lernt sie u.a. die 15-jährige Jenny kennen, die als Straßenkind u.a. auf der Domplatte lebt. Zusammen mit ihr zieht sie durch Köln und lernt schnell andere Straßenkinder kennen.

Schnell findet sie Anschluss in der Straßenszene und wird fortan nur noch Topi genannt. Nur wenige kennen ihre wahre Identität und wissen, was sie schon alles durchstehen musste.

Allerdings ist das Leben als Straßenkind nicht einfach und sie muss sich entscheiden, wie sie dieses Leben fortan führen will. Drogen, Gewalt und Prostitution sind plötzlich so nah wie nie…

Ich habe lange überlegt, wie ich dieses Buch bewerten soll. Hat man als Leser überhaupt das Recht, ein Buch zu beurteilen, in dem es um eine wahre Geschichte geht? Darf man ein so hartes und trauriges Schicksal loben oder kritisieren?

Zusammen mit Veronika Vattrodt schafft es Sabrina Tophofen über ihre traurige Kindheit auf der Straße zu erzählen.
Hierbei nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Ihre früheste Kindheit verbringt sie in Duisburg bei ihren Eltern, jedoch wird dieses Zuhause schnell zur Hölle für sie. Ihr Vater ist ein Trinker und Schläger und lässt seine Launen an ihr aus. Auch ihre Mutter ist nicht besser.
Die Erinnerungen an ihr Elternhaus lassen sie auch Jahre danach nicht los und sie berichtet immer wieder über Erlebnisse aus dieser Zeit.

In Köln angekommen, beginnt ihr neues großes „Abenteuer“. Sie erfährt zum ersten Mal, was es heißt, in einer Gemeinschaft zu leben, in der sie nicht tyrannisiert oder verurteilt wird. Doch trotz allem fasst sie nie ganz den Mut, jemanden alles über sich zu erzählen. Sie hat die ständige Angst im Stich gelassen oder für ihre Vergangenheit verurteilt zu werden.

Auch wenn das Buch ’nur‘ 176 Seiten hat, habe ich ein paar Tage hierfür gebraucht, da ich es immer wieder zur Seite legen musste.
Topi’s Schicksal lässt einem nicht kalt. Auch wenn sie sehr oft aggressiv oder hyperaktiv rüberkommt, erkennt man immer wieder ihren wahren Charakter, den sie mit allen Mitteln zu verstecken versucht.

Und mein größtes Problem, ich steh vor mir und kann mich nicht sehen. Gehärtete Gefühle, so leer und doch zu klar. Mein Herz zerbricht, denn so stark bin auch ich nicht!

Obwohl sie von ihrer Mutter oft schlecht behandelt wurde, hofft sie immer wieder darauf, dass sich ihre Mutter meldet und ihr ein neues Zuhause gibt.

Die Bullen wissen bei den Personenkontrollen gar nicht mehr, was sie mit mir machen sollen. Ich bin offiziell in Duisburg bei meinen Eltern gemeldet. Aber wenn sie da anrufen, kriegen sie nur zu hören, ich solle ja nicht wiederkommen. Und das Heim will mich ja auch nicht mehr haben…

Da das Buch in der Ich-Perspektive erzählt wird, hat man stets das Gefühl, ein Teil dieser Geschichte zu sein. Wer bereits in Köln war, erkennt die Schauplätze schnell wieder. Die schwarz/weiß-Fotos in der Buchmitte helfen hierbei, sich Topi in manchen Situationen ganz genau vorzustellen. Hierbei wird sie u.a. am Kölner Hauptbahnhof gezeigt.

„So lange bin ich vogelfrei“ liest sich flüssig und ohne Rücksicht auf Verluste. Die etwas zu harte Jugendsprache hat mich zunächst geschockt, allerdings konnte ich mich recht schnell an diesen Erzählstil gewöhnen.
Ein großes Lob geht hierbei an die Autorin, die die Kraft dazu hatte, ihr Leben nieder zu schreiben.

Zu jedem Kapitelanfang gibt es einen Kommentar. Meistens von Andreas, einem Sozialarbeiter oder Tagebuchauszüge von Topi.

Sehr gelungen und interessant finde ich hierbei den Epilog, in dem alle wichtigen Personen in diesem Buch noch einmal erwähnt werden und berichtet wird, was aus ihnen geworden ist. Hierbei freut man sich als Leser am meisten über Topis Entwicklung.

Die Covergestaltung ist schlicht, aber sehr passend und stimmig zur Geschichte. Auf dem Cover werden direkt die wichtigsten Punkte in dieser Geschichte erwähnt.

„So lange bin ich vogelfrei“ ist das vierte Buch aus der „Mein Leben“-Reihe, in der Menschen aus ihrem Leben erzählen.

Ich hoffe, dass diese Geschichte noch viele Menschen erreichen wird, damit das Ziel dieses Buches erreicht wird: Das Recht auf Selbstbestimmung und Akzeptanz.

Ein Kommentar zu „Sabrina Tophofen – So lange bin ich vogelfrei: Mein Leben als Straßenkind

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